arthurkaiser.de Grundriss Symbolbild Foto: Bajoga2021 BY-SA 4.0

Besteuert den Wohnflächenverbrauch

Der Wohnflächenverbrauch steigt seit Jahren kontinuierlich. Während die Einen in ihren großen Wohnungen und Häusern vereinsamen, nachdem die Kinder ausgezogen sind und der Partner verstorben ist, treten sich Andere mit ihren Familien auf zu wenig Wohnfläche auf die Füße. Beide finden nicht die richtige Alternative. Es lohnt sich eher in der großen Wohnung mit kleiner Miete zu bleiben, als eine kleine Wohnung neu zu mieten und mehr zu zahlen. Die Anderen finden dafür keine bezahlbare Wohnung, die groß genug wäre. Neubauwohnungen sind extrem teuer oder gleich im Luxussegment angesiedelt. Bestandwohnungen werden zu selten frei. Der Staat hat zwar mit der Grundsteuer eine steuernde Funktion, dieser recht aber nicht aus, damit jemand den Umzug in eine kleinere Wohnung durch geringere Grundsteuer gegenfinanzieren kann. Der Wohnflächenverbrauch pro Person in einer Immobilie selbst muss besteuert werden um den Luxus von viel Platz auch als solchen gesellschaftlich fair umzuverteilen. Diejenigen, die mit wenig Platz auskommen, könnten dafür mit einer Prämie aus den Einnahmen bedacht werden.

Die neue Wohnungsnot

Während immer wieder vom Immobilienwahnsinn in Großstädten und fehlendem Wohnraum berichtet wird, steigt der durchschnittliche Wohnflächenverbrauch pro Person Jahr für Jahr. Die insgesamt verfügbare Wohnfläche steigt durch Neubau immer weiter. Immer mehr Natur wird versiegelt. Für Neubaugebiete müssen neue Straßen gebaut, Bäume gefällt und viel Grünfläche zugepflastert werden. Dazu kommen die Steingärten, die das Leben „im Grünen“ so attraktiv machen. Es ist nicht zu wenig Wohnraum da, er ist nur falsch verteilt. Mieter, die viel Platz haben werden durch Kappungsgrenzen und Mietspiegel geschützt, selbst wenn sie den Platz gar nicht brauchen. Bis das der Tod euch scheidet gilt immer mehr auch für die Wohnung. Beim Einfamilienhaus ist die Situation noch gravierender, weil da nicht modernisiert und auch nicht mehr in Dämmung und Energieeffizient investiert wird. In der vergreisenden Republik gibt es keine neue Wohnungsnot, sondern neue Wohnungsbesetzer.

Der Markt regelt es nicht

Der Wohnungsmarkt ist in Deutschland im weltweitem Vergleich extrem umfassend und mieterfreundlich reguliert. In Großstädten ist praktisch kein Leerstand vorhanden. Selbst für die abgeranzeste Bruchbude findet sich noch ein Mieter. Das Angebot ist extrem knapp. Menschen leben mit Kompromissen um bloß nichts Neues suchen zu müssen, während es sich für Andere schlicht finanziell nicht lohnt. Wer es sich leisten kann, zahlt überhöhte Immobilienpreise um seinen Wohnbedarf zu decken. Alle anderen müssen sich mit ihrer Situation arrangieren und darauf hoffen keine Eigenbedarfskündigung zu erhalten. Ein Wohnungsmarkt ohne genügend Fluktuation und Angebot kann nicht funktionieren.

Die steigenden Neubaukosten

Das politische Rezept für mehr Angebot war bisher: bauen, bauen, bauen. Neue Wohnungen sollen das Angebot vergrößern und niemanden zum Umzug zwingen. So bequem der Gedanke auch ist, so wenig kann das funktionieren. Zum einen sind Grundstücke in der Stadt schlicht begrenzt. Es kann nicht endlos viel gebaut werden und der Mangel erzeugt auch immer höhere Preise. Zum anderen steigen auch die Baukosten was in der Summe das Bauen sehr teuer macht. Das rechtet sich nur, wenn hinterher auch eine sehr hohe Miete erzielt wird. Menschen, die sich eine gebrauchte größere Wohnung nicht leisten können, werden sich eine neue größere Wohnung erst recht nicht leisten können.

Hilflose Steuerungsversuche

Alle bisherigen Steuerungsversuche der Politik scheitern an der Angst Wählerstimmen zu verlieren. Wenn das berüchtigte Omas Häuschen mit der schmalen Rente auch bisher nicht mehr nachhaltig zu halten war und nun auch noch teurer werden soll, gibt’s Unruhe. Die Söhne, Töchter und Enkel könnten nicht ihrem Erbe beim Schmelzen zusehen wollen und erst recht nicht irgendwie alternativ für angemessene Pflege sorgen müssen. Die Älteren gehen auch noch selbst wählen. Es ist also durchaus politisch gewollt, dass lange Wohn und Mietverhältnisse gegenüber Neuerwerbern und Neumietern bessergestellt sind. So bleiben die Verhältnisse so unflexibel wie sie sind und wahlweise gierige Vermieter, börsennotierte Immobilienkonzerne oder gar gleich der Kapitalismus soll daran schuld sein.

Umverteilen!

Häuser denen, die drin wohnen? Was ist mit denen, die da auch gern wohnen würden? Platz ist zu einem Luxusgut geworden, der genauso vererbt werden kann. Die Wohnfläche vermehrt sich zwar nicht durch Zinsen, sehr wohl vergrößert sich aber mit der Zeit der Abstand zu aktuellen Marktmieten durch Kappungsgrenzen bei Mieterhöhungen. Wer das Glück hat die richtigen Eltern zu haben, kann sich sicher sein, ein Vermögen allein durch die gesparte Miete zu bekommen. Der goldene Löffel ist die Mitgliedschaft in der Genossenschaft, der alte Mietvertrag der Eltern für die große Altbauwohnung im Stadtzentrum, den die Kinder irgendwann erben. Wer hat, dem wird gegeben. Es wird Zeit fürs Umverteilen! 

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